Reporterin Lena Kroenlein vom Spielfeldrand

tl_files/img/netzwerk/Lena_K.jpgIntegration kann so einfach sein: Man setzt sich ein gemeinsames Ziel in dem festen Bemühen jedes Einzelnen, dieses auch wirklich zu erreichen.  Plötzlich werden Dinge wie Aussehen, Herkunft, oder Religion zweitrangig, im besten Falle völlig unwichtig.

Vergangenes Wochenende spielten sich in der Sporthalle „Ob den Gärten“ in Leutenbach Szenen ab, die nahezu beispielhaft verdeutlichten,  wie gut das gelingen kann.

Dabei stand beim 8. Benefizturnier, das von der Stiftung gegen Gewalt an Schulen ausgetragen wurde,  das Thema Integration gar nicht so sehr im Vordergrund. Und doch lässt sich hier eine gewisse Parallele herstellen. Das primäre Ziel, ein Turnier ohne jegliche Gewalt auszutragen, dürfte so manchem Flüchtling aus der Seele sprechen. Nicht jeder, der vor Gewalt und Terror geflohen ist, bleibt hier davon verschont. Dabei wäre es  theoretisch ganz einfach, friedvoll miteinander umzugehen.

Zugegeben, eine Sporthalle mit 14 Mannschaften, die sich auf ein großes Turnier vorbereiten, ist wegen der Akustik  möglicherweise nicht die beste Räumlichkeit, um sich solch ruhigen  und friedvollen Gedanken hinzugeben.  Und doch passt  genau das an genau  diesem Tag an genau diesen Ort. Denn im Grunde  ist das Ziel der Veranstaltung ein ähnliches: Spaß zu haben und gemeinsam stark zu sein, ohne Gewalt, Hass und Fremdenfeindlichkeit Raum  zu geben. Und es signalisiert noch etwas anderes: Auch, wenn es manchmal ein langer Weg ist, kann man vieles erreichen, wenn man zusammen arbeitet und alle an einem Strang ziehen.

Dass manches, etwa  bei der Integration von Flüchtlingen  nicht  immer leicht ist, weiß auch Nadeschda Arnold, die bei der Paulinenpflege arbeitet.

An diesem Nachmittag kickte sie  mit ihrem Flüchtlinsteam in der Gruppe A.  „Für viele Flüchtlinge ist die Sprachbarriere das größte Problem, wenn sie sich integrieren wollen“, erklärte sie und ergänzte: „Bei einem solchen Turnier gibt es andere Möglichkeiten, sich zu verständigen und es macht uns großen Spaß!“ Bereits im November bekam sie die Möglichkeit, mit ihrem Team bei einem Spiel dabei zu sein. Über einen Vorbericht in der Zeitung sei sie dann  auf das Benefizturnier aufmerksam geworden. „Sofort wollten wir wieder mit machen“, erinnert sich Arnold zurück. Dass das Flüchtlingsteam der Paulinenpflege  bei seiner Premierenteilnahme am Turnier richtig Spaß hatte, war nicht nur spür-, sondern letztlich auch sichtbar: Durch eine beeindruckende Teamleistung erlangten sie Rang 5.

Auch im Team des Fördervereins der Stiftung gegen Gewalt an Schulen kickte  ein Flüchtling und erzielt beim ersten Spiel des Tages gegen die Firma Härer Formenbau auch gleich  das erste Tor. So ereignete sich wenige Minuten nach Start des Turniers ein   kleines Déjà vu: Lamin aus Gambia hatte bereits vergangenes Jahr das erste Tor  für den Förderverein geschossen.

Dies war aber nicht die einzige willkommene Wiederholung. Es gab noch so einige andere Dinge, die das Turnier bereits in den vergangenen Jahren zu einem unvergesslichen Ereignis gemacht hatten und die auch in diesem Jahr gleich geblieben sind: Patrick Künzer, Bezirksvorsitzender des Fußballbezirks Rems-Mur bewies am Mikrofon erneut seine Talente als Sportkommentator.

Beibehalten wurde auch die Regelung, alle Frauentore doppelt zu zählen. Da hiervon im gesamten Turnierverlauf nicht wenige gefallen sind, wurde so mancher Spielstand kurz vor Ende nochmals in sekundenschnelle umgewandelt.

Alt bekannte Gesichter aus den vergangenen Jahren konnte man auch im Kreise der 14 teilnehmenden Mannschaften entdecken:
Da war etwa der Titelverteidiger aus dem Jahr 2016 Uhlsport, die es diesmal bis ins Finale schafften und den zweiten Platz belegten.

Auch Jeutter IN.VIVO  traten nicht zum ersten Mal an, ebenso wie  Aconext Stuttgart oder etwa die Bürgermeisterauswahl, die dieses Mal mit ihrem geschichtsträchtigen 6:2  gegen Härer Firmenbau ihren größten Sieg in der Benefizturniergeschichte  einfahren konnte.

Zu den treuen Gästen  zählte ebenfalls  wieder das Team Karsch Blitzschutztechnik  rund  um Gino Karsch. Die Mannschaft ist seit der ersten Stunde des Benefizturniers dabei und hat sich schon damals als eine der ersten Mannschaften qualifiziert. Seither ist sie quasi alljährlich einer der  Stammgäste in Leutenbach. „Für mich geht es vor allem um den Spaß und den Zweck, der  hinter dem Turnier steht“, betonte Karsch. Mit seiner Mannschaft fährt er jedes Jahr aus Burtenbach nach Leutenbach.

Trotz viel Altbekanntem gab es auch einige Neuerungen.  
Neu dabei war etwa auch der diesjährige Sieger des Turniers  H.P.Kaysser, die sich  im Finale souverän gegen Titelverteidiger Uhlsport mit einem 5:1 durchsetzten.

Ebenfalls neu und nicht weniger sensationell war die Teilnahme des DFB-Schiedsrichters Knut Kircher, den der Förderverein der Stiftung gegen Gewalt an Schulen für das diesjährige Turnier gewinnen konnte.
So stand Kircher neben Antonio Agazio und Jochen Seiler abwechselnd als Schiedsrichter  auf dem Feld und richteten ihr Augenmerk in erster Linie darauf, dass das Credo der Fairness eingehalten wurde.

Apropos Fairness: Die Fairplaypreisauswahl gewann die Mannschaft der Stiftung gegen Gewalt an Schulen.

Eines aber wird immer, auch in Zukunft, eine unveränderte Regelung des Turniers bleiben: Jeder, der sich hierbei beteiligte, ging an diesem Abend als Sieger nach Hause.  Mit am schönsten ließe sich dieses Bild vielleicht mit der Mannschaft Aconext München beschreiben: Zum ersten mal dabei, legten sie für die Teilnahme in Leutenbach ein ähnlich weiten Weg zurück, wie Gino Karsch und seine Mannschaft.
Am Ende eines langen Tages belegte Aconext München dann Platz 14. Trotzdem strahlten sie bei der Pokalvergabe und gaben bekannt, im kommenden Jahr wieder dabei sein zu wollen.

Alleine, weil  alle Teilnehmer der Veranstaltung auch die Stiftung gegen Gewalt an Schulen unterstützen würden, sei jeder in der Halle ein Gewinner, betonte Tobias Sellmaier, Vorsitzende des Fördervereins. Kurz vor Ende des Turniers  wurden alle Sponsoren geehrt.
Eine solche Ehrung gebührte symbolisch  auch allen, die mit dafür Sorge getragen hatten, dass das Turnier zum achten Mal auf die Beine gestellt werden konnte. Wie in den Jahren zuvor zeigte das Team auch an diesem Samstag des noch recht jungen Jahres, dass ein Turnier trotz sportlichem Ehrgeiz auch ohne Gewalt und Ausgrenzung reibungsfrei ablaufen kann. Es wäre  wünschenswert, wenn sich  dieses Bild des fairen und respektvollen Miteinanders  künftig auch öfters auch in der Gesellschaft wieder finden ließe. Wir haben es in der Hand.

Zur Person:
Lena Kroenlein aus der Nähe von Tübingen ist Mitglied im Förderverein der Stiftung und hat schon viele tolle Berichte über unsere Veranstaltungen geschrieben.

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