Lena Kroenlein berichtet vom Spielfeldrand

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Lena Kroenlein (links) und Patrick Künzer

Leutenbach.

Um ein gesellschaftliches Miteinander zu fördern, ist es manchmal notwendig, seine bisherigen Ansichten zu korrigieren und in ein neues Licht zu rücken.
Mein Bild eines Ringerclubs etwa, war bisher geprägt von wilden Raufbolden, die sich möglichst schnell gegenseitig zu Fall bringen wollen.
Dieser sehr klischeehafte Eindruck wurde am vergangenen Samstag in der Sporthalle Ob den Gärten in Leutenbach revidiert.
Eine der 14 Hobby- und Betriebsmannschaften, die beim neunten Fußballbenefizturnier der Stiftung gegen Gewalt an Schulen antraten, waren, die Korber Löwen, ein Ringer- und Sportclub aus Korb. Patrick Künzer, der auch in diesem Jahr wieder die Turnierleitung übernommen hatte – mit tatkräftiger Unterstützung von David Decker, der beim FSV Weiler zum Stein kickt – kennt die Löwen gut: „Das ist ein herzlicher Verein, bei dem man sich spontan wohl fühlt“, erklärte er mir. Mein schlechtes Gewissen wuchs von diesem Moment stetig, insbesondere, als er ergänzte: „Während meinen Vorstandszeiten in Weiler zum Stein haben wir uns immer gegenseitig unterstützt.“ Ich entschuldigte mich im Stillen für mein Klischeedenken über Ringerclubs und eigentlich hätte ich es auch besser wissen müssen. Schließlich traten die Korber Löwen bereits zum zweiten Mal beim Benefizturnier an. Und vermittelt nicht gerade dieses Turnier, dass man Sport auch ohne Gewalt, dafür mit gegenseitigem Respekt verüben kann, ohne den Spaß aus den Augen zu verlieren? Dass man, ganz nach dem Motto der Veranstaltung „gemeinsam stark“ sein kann?

So sei zwischen Künzer und den Löwen ein „guter Kontakt“ entstanden, den er nun schon seit langen Jahren pflege, erklärte  er mir  in einer seiner kurzen Kommentatorpausen und ergänzte mit Blick auf das Turnier: „Durch die Nähe zu Vereinen entstehen oft auch Anfragen für das Benefizturnier.“ Auch Tobias Sellmaier, Vorstand des Fördervereins, bestätigte, dass die Teilnahme der Hobby- und Betriebsmannschaften inzwischen häufig „über Mundpropaganda“ zustande käme. Das Benefizturnier ist für viele inzwischen schon ein richtiges Event am Anfang des Jahres. Dabei ist nicht nur das Kicken zu einer Tradition geworden. Im Rahmen des inzwischen etablierten Turniers greifen sich die Mannschaften auch immer wieder gegenseitig unter die Arme: Als Uhlsport als regelmäßiger Teilnehmer in diesem Jahr kurzfristig absagen musste, sprangen spontan die SG Eagles ein.
Auch andere Betriebe treten seit Jahren regelmäßig zu den Turnieren an. Für die Bürgermeister-Auswahl hat dieses Zusammentreffen schon „etwas Familiäres“ und sie sind „gerne nächstes Jahr wieder dabei.“. Auch Gino Karsch reist mit seiner Mannschaft „Karsch Blitzschutztechnik“ seit neun Jahren im Januar von Burtenbach nach Leutenbach, um am Wochenende für den guten Zweck zu kicken. Deshalb sei er auch „in jedem Fall zufrieden, egal, wie das Turnier für uns ausgeht.“ Und mit einem Schmunzeln ergänzte er: „Und im Moment sieht es auch gar nicht so schlecht aus.“ Es ist letztlich gerade der gute Zweck, der viele Mannschaften motiviert, beim Benefizturnier mitzukicken. So haben sich über die Jahre nicht nur die Begegnungen untereinander ausgezahlt, auch anderes hat sich bewährt:  Etwa die Regel, dass ein Frauentor doppelt zählt und jede Mannschaft eine Frau auf dem Spielfeld haben muss. Bewährt hat sich auch der Einsatz von Antonio Agazio und   Jochen Seiler, die wieder das Amt der Schiedsrichter abwechselnd übernahmen und zwischendurch von Schiedsrichter-Obmann Markus Seidl abgelöst wurden.
 
Und doch gibt es in  all den routinierten Abläufen des Turniers auch jedes Jahr Überraschungen: An diesem Samstag hatte Erich Hägele, Präsident des Sportkreises Rems-Murr, ein gerahmtes Trikot des VfB Stuttgart im Gepäck, das an einen neuen Besitzer verlost wurde.

Und Uwe Bossert, Bürgermeister der Gemeinde Spielberg stand nicht nur als Spieler der Bürgermeister-Auswahl auf dem Feld. Er überreicht ebenfalls einen Scheck. Ein Drittel des Erlöses für die Einweihungsfeier des neuen Kunstrasenspielfelds, für das die Spiegelberger im letzten Herbst Geld gesammelt hatten, kam dem Förderverein zugute. Die Firma Bloksma, ebenfalls jahrelanger Unterstützer, übergab einen weiteren Scheck.
Es sind natürlich auch die die Sponsoren, die die Ausrichtung des Turniers jedes Jahr wieder ermöglichen. Der Sportkreis Rems-Murr beispielsweise, hilft nicht nur bei der Organisation, sondern ist auch einer der großzügigen Sponsoren. Die Firmen Ensinger Mineralquellen, Hochland Kaffee oder die Brauerei Gold Ochsen aus Ulm, um nur einige zu nennen, unterstützten mit ihren hochwertigen Produkten das Turnierwochenende.

Um halb sieben abends waren 138 Tore gefallen, von Turnierleiterassistenz David extra gezählt. Das Halbfinale rückte in greifbare Nähe, gespannt beobachtete ich die Spiele um den Einzug in die Endrunden. Kommentator Künzer fand lobende Worte für die „fairen Begegnungen, gerade auch in den Spielen, bei denen es um den Einzug ins Halbfinale geht.“ Auch Sellmaier zeigte sich „stolz“ über den fairen Turnierverlauf in den „friedlichen Spielen.“ Manfred Pasquini, Trainer der Mannschaft Weiler United, die sich ins Halbfinale kickte, war „sehr zufrieden“ mit den Leistungen seines Teams, aber auch „mit dem Fair Play“ hier.“
Auch Jeutter IN.VIVO. konnte das Halbfinale erzielen: „Ich will natürlich, dass sie gewinnen“, sagte Romy Jeutter, Tochter von Simone und Daniel Jeutter, die Künzer kurzerhand zur „Managerin“ der Mannschaft ernannt hatte.

Am Ende eines langen Turniers holte sich die Volksbank Stuttgart den ersten Platz. Jeutter IN.VIVO wurden zweiter. „Das ist natürlich auch gut“, nickte „Managerin“ Romy zufrieden, deren Mannschaft den Siegern gratulierte und versicherte: „Wir probieren es einfach im nächsten Jahr wieder.“ Das Team der Paulinenpflege belegte Platz 3. Der Förderverein der Stiftung kickte sich auf Platz acht. Den Fair Play- Preis gewann die  Bürgermeister- Auswahl.

Sellmaier bedankte sich in seiner Abschlussrede bei allen „fürs Kommen und Zeichensetzen gegen die Gewalt und für das Miteinander“ und bei dem Organisationsteam, welches auch das umfangreiche Catering zu fairen Preisen mit einbezieht, für das „tolle Turnier“. Er lobte den Einsatz der Malteser, die an diesem Abend zwei Verletzungen versorgen mussten, die durch unglückliche Stürze entstanden waren. Sellmaier dankte zudem dem Einsatz der Schiedsrichter, „die kostenlos einspringen und ohne die es nicht geht.“ Undenkbar wäre der Verlauf des Spiels auch ohne die Turnierleitung, daher ging der Dank des Vorstands auch an Künzer und seinen treuen Assistenten David, der das ein oder andere Spiel auch ganz alleine kommentiert hatte. Auch Künzer sprach seinen Dank für die fair erbrachten Leistungen aus und bezeichnete das Turnier als „großes Kino.“
Seltsam beschwingt saß ich nach so vielen Worten des Dankes am Ende eines langen Tages mit ein paar anderen zusammen, um die Veranstaltung ausklingen und noch für einen Moment auf mich wirken zu lassen. Dieses Turnier zeigt jedes Jahr aufs Neue: Es lohnt sich, wenn man sich für das Gute einsetzt. Bevor es nach Hause ging, habe ich noch zwei Worte als kleine Randnotiz in meinem Block vermerkt: Korber Löwen. Vielleicht schaue ich mir irgendwann einmal einen Kampf an. Interessehalber. Und um meine bisherigen Ansichten in ein neues Licht zu rücken. Für die gute Sache.

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